Unsere Lieferketten erfordern schon immer viel Sorgfalt
Deutsche Teeunternehmen stehen insbesondere bei der Herstellung von Kräuter- und Früchtetees am Ende sehr langer und hochkomplexer Lieferketten.
Die natürlichen Rohstoffe für die Herstellung von Tee-Erzeugnissen werden in vielen Fällen noch in Handarbeit geerntet und vor Ort verarbeitet, bevor sie ihre lange Reise über viele Etappen bis zu uns antreten. Häufig sind die Lieferbeziehungen der Unternehmen über lange Zeit gewachsen und beruhen auf einer engen Zusammenarbeit. Ein großer Teil der mittelständischen Teeunternehmen sind Familienunternehmen, sie sind zwar global tätig, zählen allerdings nicht zu den klassischen „Global Playern“. Allein aufgrund ihres Nachfragevolumens sind ihre Einflussmöglichkeiten auf die Lieferketten stark limitiert. Dennoch sind unsere Mitgliedsunternehmen von den richtigen Anliegen des Lieferkettensorgfaltspflichengesetzes (LkSG) überzeugt und sehen seine Ziele und Auswirkungen positiv. Als Verband setzen wir uns für eine umsichtige Anwendung ein, die alle Interessen „vom Feld bis in die Tasse“ berücksichtigt. Die umfangreichen Dokumentations- und Nachweispflichten stellen vor allem kleinere Unternehmen vor große Probleme, die sich bis in die Ursprungsländer fortsetzen können. Neben dem hohen bürokratischen Aufwand, der wichtige Ressourcen bindet, kann dieses Gesetz eventuell sogar dazu führen, dass Existenzen in den Ursprungsländern gefährdet sind. Erhöhter bürokratischer Aufwand und steigende Kosten bei der Aufrechterhaltung von Lieferketten senken zudem langfristig die Attraktivität von Handelsbeziehungen mit der EU. Die Möglichkeiten, in den Ursprungsländern im Sinne des Lieferkettengesetzes positiven Einfluss zu nehmen, werden sogar geringer. Das Gesetz weist in die richtige Richtung, auch wenn noch Optimierungsbedarf besteht und seine Umsetzung in Teilen unrealistische oder sogar kontraproduktive Anforderungen stellt.
Was Tee- Unternehmen nachhaltig beschäftigt
Weltweit aus mehr als 80 verschiedenen Ländern importieren die deutschen Teehersteller ihre natürlichen Rohstoffe. Fast viele Unternehmen arbeiten mit 100 und mehr Zulieferern in den Ursprungsländern zusammen, und allein Tee wird aus mehr als 25 Ländern nach Deutschland eingeführt. Kräuter- und Früchtetees werden aus einem Repertoire von über 400 verschiedenen Pflanzenteilen wie Blüten, Blätter, Früchte oder Wurzeln verarbeitet, die auch heute noch zu zwei Dritteln aus Wildsammlungen stammen. Die Rohwaren werden häufig in kleinbäuerlichen Strukturen mit losen und nicht dokumentierten Arbeitsabläufen in schwer zugänglichen Regionen geerntet. Die Zahlen lassen erahnen, wie hochkomplex und herausfordernd die Lieferketten für Tee, Kräuter- und Früchtetee nach wie vor sind. Gleichzeitig sind Teeunternehmen substanziell von gut funktionierenden Lieferketten abhängig, um die hohe Qualität und stetige Verfügbarkeit ihrer Produkte sicherzustellen.
Weniger als 1 % Nachfrage setzt Grenzen
Ein Blick auf die Zahlen offenbart, wie gering die Einflussmöglichkeiten deutscher Tee-Hersteller auf die Bedingungen in den Ursprungsländern ist. Lediglich 0,79 % des weltweit produzierten Schwarz- und Grüntees wurden 2022 nach Deutschland exportiert und weniger als 1,86 % gingen in die übrigen Mitgliedsstaaten der EU. Damit wird deutlich, dass deutsche Unternehmen bei allen positiven Bestrebungen sich mit ihren Anliegen nur in begrenztem Rahmen Gehör verschaffen können. Viele Unternehmen bauen daher inzwischen in Eigeninitiative auf Zertifizierungen durch unabhängige Nachhaltigkeitssiegel wie etwa Rainforest Alliance, Fairtrade oder We Care (Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL Deutschland e. V.), die allerdings nicht alle Ursprungsländer abdecken. Besonders die Rohstoffbeschaffung abseits der großen Teeplantagen bleibt auch in Zukunft problematisch und ist aus dem fernen Europa schwer zu überblicken. Weitere Faktoren wie etwa Klimaänderungen, Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen, politische Umwälzungen oder regionale Konflikte führen zudem immer wieder zu starken Schwankungen in den Abläufen. Auch diese uneinschätzbaren Faktoren müssen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass die Lieferketten weiterhin funktionieren und die Rohwaren zur Teeherstellung im Interesse von Erzeugern, Verbrauchern und Unternehmen weiterhin verfügbar sind.

Nähe schafft Vertrauen
Eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugern vor Ort hat bei unseren Mitgliedsunternehmen Tradition.
Persönliche Besuche, auch um die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards zu prüfen, sind gängige Praxis. Schulungen und Beratungen zu Fragen des Anbaus erfolgen vor Ort von den Unternehmen direkt oder durch externe Berater. Informationen zu Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen und mögliche Lösungsansätze werden möglichst frühzeitig im Dialog mit den Partnern kommuniziert. Eine Folge der engen, in der Regel langfristigen Zusammenarbeit: In Notlagen leisten die deutschen Teeunternehmen auch unbürokratisch und schnell Hilfe. Bei Verstößen gegen die vereinbarten Nachhaltigkeitsstandards ziehen Unternehmen Konsequenzen. Zusätzliche Kontrollen und Auflagen oder sogar der Abbruch der Geschäftsbeziehungen können die Folge sein. Dabei gilt es, Missstände zu beheben – bevor der Einfluss vor Ort ganz verlorengeht. Doch die Praxis zeigt leider auch: Trotz persönlicher Nähe zu den Partnern oder durch die Zusammenarbeit mit Zertifizierungsorganisationen, eine lückenlose Kontrolle der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards ist zwar wünschenswert, aber nicht immer zu gewährleisten.
Nachhaltiges Handeln in der Praxis. Hier zwei anschauliche Beispiele aus dem Kreis unserer Mitgliedsunternehmen.