Experte werden

Der vielleicht sinnlichste Beruf der Welt

Tees haben etwas Faszinierendes
Nach Wasser sind Tees, Kräuter- und Früchtetees weltweit das zweitbeliebteste Getränk, das für Menschen auf allen Kontinenten aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Als Durstlöscher, Wachmacher, Genussmittel, Pausenfüller, Entspannungshelfer und natürliches Lebensmittel vereint Tee Menschen. Doch Grundlage für ihre überaus große Beliebtheit ist und bleibt verlässliche Qualität, für die das Urteil von Tea Tastern unerlässlich ist.

Sinnlichkeit und Sinn
Zunge, Nase, Augen und sehr viel Erfahrung sind die „Werkzeuge” eines Tea Tasters, denn entscheidend für die Qualität eines jeden Tees sind Aussehen, Geruch, Farbe und Geschmack. Diese Kriterien wiederum sind abhängig von dem Ursprungsland, der Anbauregion, dem Klima, dem Erntezeitpunkt und der Verarbeitung und sie unterliegen von Jahr zu Jahr natürlichen Schwankungen. Dazu kommt: Die Vielfalt der verschiedenen Teesorten ist nahezu unendlich und wächst stetig. Tea Taster müssen aus dieser riesigen Auswahl zuverlässig die besten herausschmecken, damit sich Teefans auf ihr Lieblingsgetränk verlassen können. Dafür werden vor allem in der Haupternte- und Einkaufszeit, die von Mai bis Ende Juli reicht, täglich bis zu 600 Teeproben verkostet – eine enorme Leistung, die allerhöchste Konzentration erfordert.

Ohne Erfahrung geht nichts
Welche Teesorte ist die beste? Welche trifft den Geschmack der Verbraucher? Wie hat der Tee im letzten Jahr geschmeckt? Um diese Fragen sicher zu beantworten, müssen Tea Taster den Charakter der Tees aus den verschiedenen Anbaugebieten und die unterschiedlichen Qualitäten kennen und immer wieder aus ihrem Gedächtnis abrufen können. Bei aller Faszination ist der Beruf des Tea Tasters auch anstrengend und ohne Geduld, Begeisterung, Liebe zum Tee und Weltoffenheit nicht zu meistern. Tea Taster sind wie Spitzenköche, sie sind immer auf der Suche nach dem Optimum.

Der lange Weg an die Spitze
Zum Tea Taster oder zur Tea Tasterin wird niemand geboren. Am Anfang dieses einzigartigen Berufs – in Deutschland gibt es nur 25 bis 30 Senior Tea Taster – steht eine solide kaufmännischen Ausbildung, in der Regel ist dies die Lehre zum/zur Groß- und Außenhandelskaufmann/kauffrau oder auch ein betriebswirtschaftliches Studium. Parallel dazu oder auch erst danach werden erste Erfahrungen rund um das Tea Tasting gesammelt. Die eigentliche „Trainingsszeit“ zum fertigen Tea Taster dauert ungefähr sieben Jahre. Diese lange Zeit wird gebraucht, um das nötige Know-how zu sammeln. Zunächst wird der Geschmacks- und Geruchssinn auf die vielen verschiedenen Teesorten und Qualitäten eingestimmt, um sie dann später treffsicher auseinander zu halten und die Besten „herausschmecken“ zu können.
Auf ihrem Weg zum Tea Taster arbeiten die Junior-Taster eng mit erfahrenen Senior Tea Tastern zusammen. Internationalität ist dabei eher die Regel als die Ausnahme. Lehrjahre im Ausland sind keine Seltenheit und auch längere Aufenthalte in den Ursprungsländern, um sich über Anbau, Verarbeitung und Einkauf zu informieren, sind häufig Teil der Ausbildung. Übrigens: No Gos für Tea Taster sind u. a. Nikotin, scharfe Gewürze, harte Alkoholika und sogar Kaffee – alles Faktoren, welche die sensiblen Geschmacksnerven beeinträchtigen können.

Viel Liebe und viele Zahlen
Der Beruf des Tea Taster ist eine Schlüsselposition und erfordert neben viel Begeisterung, großer Liebe zum Produkt auch viel Verantwortung und wirtschaftliches Denken. Tea Taster brauchen fundiertes kaufmännisches Wissen, denn unter Umständen reisen sie in die Anbauländer, um dort Tee einzukaufen. Dabei ist nicht nur das Gespür für Qualität gefragt, hier müssen auch komplexe Logistikprobleme gemeistert werden. In jeder Hinsicht ein faszinierender Beruf, der nur mit ganz wenig anderen vergleichbar ist.


Dem Geschmack auf der Spur – Tasting step by step: Wie läuft ein Tea Tasting bzw. eine Teeverkostung genau ab?

Step one – der Aufbau

Zuerst werden auf einem langen Spezialtisch verschiedene Teemuster gleichen Typs aufgereiht.

Step two – das Wiegen

Mit einer Handwaage wiegt der Tea Taster von den einzelnen Proben genau 2,83 Gramm ab und füllt diese jeweils in einen Porzellanbecher mit Deckel (Tea Taster´s cup).

Step three – das Wasser

Mit frisch aufgekochtem Wasser brüht der Tea Taster dann den abgewogenen Tee auf und lässt ihn genau fünf Minuten ziehen. Die zubereiteten Aufgüsse (Batches) gießt er jeweils in eine Porzellanschale.

Step four – die Infusion

Jetzt beginnt das Tea Tasting: Zunächst werden die aufgebrühten Teeblätter (Infusion) auf Farbe und Beschaffenheit begutachtet und auf Geruch getestet.

Step five – schlürfen, schmecken, spucken

Der Tea Taster geht mit einem Löffel von Probe zu Probe. Er schlürft, schmeckt und spuckt den probierten Tee in einen Kupferbehälter (Spittoon). Das Schlürfen bei der Teeprobe ist von großer Bedeutung, denn der dabei eingesogene Sauerstoff sorgt für eine höhere Geschmacksempfindlichkeit und verteilt den Tee weiträumig im Mund. Dadurch werden im Rachenraum liegenden Geschmacksknospen angeregt, und der Tea Taster kann die unterschiedlichen Nuancen besser „herausschmecken“. Dass er den Tee nach dem Testen wieder ausspuckt, liegt nicht etwa an einer schlechten Qualität, sondern daran, dass es selbst einem Tea Taster bei 600 Teeproben pro Tag zu viel wird.

Und nach dem Tasting?

Jede Partie Tee wird nicht nur einmal getestet. Nach der Kaufentscheidung für eine bestimmte Partie erhält der Tea Taster ein so genanntes „Offert-Muster“, und bevor der Tee das Ursprungsland verlässt, ein entsprechendes Verschiffungsmuster.

Erst nachdem dieses getestet wurde, gibt der Importeur den Transport nach Deutschland frei. Im Hamburger Hafen oder in den Bremischen Häfen angekommen, wird noch einmal eine Probe gezogen, die dann noch einmal getestet und mit dem Kaufmuster verglichen wird.

Lieblich, trocken oder süß – Nicht nur der Wein hat ein spezielles ABC

Trockenes Blatt

Clean
Tee ohne Holz, Fasern und Staub, gut sortiert, nur Blattgut des gleichen Grades, in der Tasse frei von jedem Beigeschmack.

Chunky
Tees mit kurzem dickem Blatt.

Even
Tee, der seiner Gradbezeichnung entspricht und aus etwa gleich großen Blatteilen besteht.

Tip
Blattknospe, mit zarten Härchen besetzt, an denen der Teesaft „kandiert“. Im schwarzen Tee als goldgelbes Blatt sichtbar.

Tippy Teas
Tees, die einen bemerkenswerten Anteil an hell- bis goldgelben Blattspitzen aufweisen.

Shotty, curly, knobbly
Ein sich hart und fest anfassender Tee, stark gerollt, runde Form, schiesspulverartig.

Stylish
Bezeichnung für gut gearbeitete Tees mit drahtigem ansprechendem Blatt.

Twisted
Eng und gut gerolltes Blatt eines Tees. Nur bei sorgfältiger Überwachung des Welkvorgangs kann ein voller Blatt-Typ erzielt werden.

Wiry
Gut gerolltes, dünnes, vor allem drahtiges Blatt.

Aufguss

Biscuity

Bezeichnung für ein an und für sich angenehmes Aroma, das in der Hauptsache bei solchen Assam-Tees auftritt, die etwas zu scharf und schnell getrocknet wurden.

Body
Bezeichnet eine kräftige Tasse, also einen vollmundigen Tee.

Bright
Lebhafte, rote Tasse, meistens Zeichen eines guten Tees.

Brisk
Ein „lebhafter“ Aufguss von kräftigem Charakter, wie er sich grundsätzlich von der flauen Tasse unterscheidet.

Character
Herausragende Eigenschaft eines Tees beim Probieren.

Coloury
Gute, kräftige Tasse mit guter Färbung beim Aufguss.

Dull
Ein Tee, dessen Tasse nicht klar und leuchtend ist.

Flavour, aroma, nose
Der Duft des trockenen Tees, aber auch der frisch aufgegossenen Tassenprobe.

Full
Bezeichnet eine kräftige Tasse ohne bitteren Geschmack.

Liquor
Im Teehandel übliche Bezeichnung für den Aufguss des Tees und seine geschmackliche Qualität.

Malty
Eine Tasse, die leicht überfeuert wurde. Erinnert an Malz oder Karamell.

Point
Herbe Frische.

Strength
Die Kraft eines Tees. Bezeichnung für eine dicke Tasse voller Kraft und Frische.

Thick
Konzentrierte, dunkle Tasse.

Erfahren Sie mehr über die Welt des Tees

#teeziehtimmer

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